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Erinnerung an Ida Noddack
ENTHÜLLUNG / Am Geburtshaus in Lackhausen kündet
eine Tafel von der Chemikerin.
WESEL. Am vergangenen Samstag jährte sich auf den Tag
genau Ida Noddacks 110. Geburtstag. Zu Ehren der berühmten
Weselerin enthüllte Bürgermeisterin Ulrike Westkamp an
Noddacks Geburtshaus in Lackhausen eine Bronzetafel. Der Weseler
Verkehrsverein hat in den letzten zwanzig Jahren genau zwanzig
dieser Tafeln anfertigen lassen, die an verdiente Weseler Bürgerinnen
und Bürger, bekannte Plätze oder Gebäude
erinnern.

Bürgermeisterin Ulrike
Westkamp (links) enthüllte in Lackhausen gemeinsam mit
Christiane Hetzel, Dr. Hans Georg Tilgner, Reinhard Hofacker und
Helmut Roehl (v.l.)die Bronzetafel. (Foto: Gerd Hermann)
An Ida Noddacks Elternhaus an der Lackfabrik enthüllte die
Bürgermeisterin gemeinsam mit Vertretern des
Verkehrsvereins die Bronzetafel, welche die promovierte
Chemikerin und deren Verdienste würdigt. Zusammen mit ihrem
Mann Walter Noddack entdeckte die gebürtige Lackhausenerin
1925 die chemischen Elemente Rhenium und Masurium, heute
Technetium. "Ida Noddack blieb an dem Ort ihres Studiums,
in Berlin", sagte Ulrike Westkamp in ihrer Ansprache. Dort
arbeitete sie zusammen mit Ehemann Walter an der Physikalischen
Reichsanstalt. Die Tochter des Lackhausener Lackfabrikanten
Adalbert Tacke forschte auf zahlreichen Gebieten der Chemie, so
etwa der Photo-, Geo- und Kosmochemie. Bereits 1934 vermutete
Noddack, durch Natronenbeschuss Urankerne spalten zu können.
Bei der feierlichen Enthüllung der Bronzetafel dabei war
unter anderen Dr. Hans Georg Tilgner. Er übergab im Herbst
vergangenen Jahres dem Stadtarchiv seine umfangreiche Sammlung
zu Ida und Walter Noddack. Darin enthalten sind das
wissenschaftliche Werk, Tonaufzeichnungen und Würdigungen
des Forscherehepaares. "Der Weg zwischen den Bronzetafeln
in Wesel soll in den nächsten Jahren als historische
Radwanderroute erschlossen werden", so der Geschäftsführer
des Weseler Verkehrsvereins, Helmut Roehl. Noch weitere 15
Tafeln sollen angebracht werden. Unter anderem gibt es
Bronzetafeln bereits am Mathenakreuz (Sparkassen-Filiale), am
Geburtshaus des Sozialdemokraten Friedrich Ebert (Lederwaren
Scherz), am Willibrordi-Dom sowie am jüdischen Friedhof an
der Norbertstraße. Zuletzt befestigte der Verkehrsverein
im Jahre 2002 eine Tafel am Modehaus Mensing - zur Erinnerung an
die Berliner-Tor-Kaserne.
26.02.2006 STEFAN SCHMELTING NRZ-Redaktion Wesel |
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Der Freund der Forscherin
Vor 110 Jahren wurde Ida Noddack in Wesel geboren. Dr. Hans
Georg Tilgner, Schüler und Freund der berühmten
Chemikerin, übergab dem Stadtarchiv gestern seine
umfangreiche Sammlung über das Forscher-Ehepaar Ida und
Walter Noddack.
Rheinische Post (Wesel) vom 07. Januar 2006
Vollständiger Text im Download...

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Als Mann in die Vorlesung
Die Weselerin Ida Noddack verkleidete sich schon mal. Eine
Sammlung über die Chemikerin fürs Stadtarchiv
NRZ (Wesel) vom 06. Januar 2006
Vollständiger Text im Download...

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Ein Interview des
Leiters der Mülheimer Stadtbücherei, erschienen in "Mülheim
an der Ruhr - Jahrbuch 2001" Herausgeber: Verkehrsverein Mülheim
an der Ruhr e. V. in Verbindung mit dem Kommunikationsamt der
Stadt Mülheim an der Ruhr.
Klaus-Peter Böttger:
Dr. Hans Georg Tilgner
Forschen - Suche und Sucht: Kein
Nobelpreis für das deutsche Forscherehepaar, das Rhenium
entdeckt hat. Ein Interview mit dem Diplom- Chemiker und Autoren
Hans Georg Tilgner, der vom Erleben der Chemie zu erzählen
weiß.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Biografie über
die beiden Forscher Walter Noddack und Ida Noddack-Tacke zu
schreiben?
Ich bin in Bocholt zur Schule gegangen, und mein sehnlichster
Wunsch war es, Chemie zu studieren. Ein anderes Fach kam für
mich nicht in Frage. Die Zeit nach dem Krieg war, was die
Studienplätze betraf vergleichbar mit dem heutigen numerus
clausus, so dass, da an der Universität Münster alle
Plätze belegt waren, es mich nach Bamberg an die
Philosophisch- Theologische Hochschule verschlug. Dort studierte
ich dann bei Walter Noddack. Auf einem studentischen Pfingstfest
lernte ich Noddacks Frau Ida kennen, deren Familie aus Bocholt
stammte, so dass wir genügend Gesprächsstoff hatten.
Allerdings bekam ich nach einem Jahr einen Studienplatz in
Braunschweig und habe nach dem dortigen Vorexamen in Gießen
mein Studium abgeschlossen.

Foto: Walter Schernstein
War der Eindruck des einen Studienjahres in Bamberg so prägend,
dass die Beschäftigung mit dem Noddack-Ehepaar Sie nicht
mehr losließ?
Es ergaben sich im Laufe der Jahre noch mehr Zufälle
sowohl privater als auch beruflicher Natur über das erste
Kennenlernen in Bamberg hinaus. Unter anderem hatte ich einen
Professor, der immer wieder auf Forschungsergebnisse von Walter
Noddack und Ida Noddack-Tacke zurückgriff. Darüber
hinaus war ich im Laufe meines beruflichen Werdegangs in den
Bereich der Dokumentation und Information gelangt, so dass ich
die Möglichkeit hatte, im beruflich privaten Rahmen alle
Literatur über die Noddacks zu sammeln und zu archivieren.
Und dann gibt es solche Zufälle, dass der
Testamentsvollstrecker von Ida Noddack mit mir früher zur
Schule gegangen ist.
Wie kam es letztendlich dann zur Veröffentlichung Ihres
Buchs?
1988 habe ich begonnen, die Lücken in meiner Sammlung zu
schließen. Ich habe zahlreiche Archive aufgesucht, noch
lebende Freunde befragt und den Nachlass untersucht. Eine
besonders intensive Zusammenarbeit entstand dabei mit Professor
Pieter Van Assche von der Katholischen Universität in
Leuven, Belgien, der das Noddack-Archiv der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht hat. Das wissenschaftliche Erbe sollte,
so die Verpflichtung der Noddacks, an das Deutsche Museum
kommen, die aber ablehnten, und es wurde nach Leuven verkauft.
Dort habe ich einen Teil des Bestandes mitarchiviert und den
gesamten Archivbestand ins Deutsche übersetzt. So sind in
meinem Buch einige Dokumente erstmals veröffentlicht. Schon
vor dem Erscheinen des Buches habe ich meine Erkenntnisse u.a.
auf dem Festkolloquium zu Ehren des 100. Geburtstages und des
75-jährigen Doktor-Jubiläums von Ida Noddack an der
Technischen Universität Berlin vortragen dürfen.
Was macht das Tragische insbesondere von Ida Noddack aus?
Obwohl sie die erste Frau war, die an der heutigen TU Berlin
ihren Doktor in Chemie machte, rückte sie, weil eben eine
forschende Frau, in den Hintergrund und war immer die
wissenschaftliche Mitarbeiterin ihres Mannes. Sie selber hat
dies nie als Nachteil empfunden, so hat sie in einem Interview
1965 gesagt, denn das Forschen war ihr wichtig. Die Noddacks
entdeckten zwei chemische Elemente, das eine Rhenium, ein für
die Raketentechnik heute noch wichtiges Element, das andere von
ihnen "Masurium "j, heute Technetium, genannt, das
ihnen zunächst aberkannt wurde, da sie, weil dieses Element
nur in geringen Mengen vorkommt und sehr instabil ist, den
erbrachten Nachweis nicht durch Präparate belegen konnten.
In den 30er Jahren sind die Noddacks zehnmal für den
Nobelpreis vorgeschlagen worden, haben ihn aber nie, wohl auch
aus politischen Gründen, bekommen. So auch bei der
Auseinandersetzung mit Otto Hahn, der ihn für die
Entdeckung der Kernspaltung erhielt, wozu Ida Noddack erste
Erkenntnisse lieferte, die aber nicht akzeptiert wurden. So
deutete sie die Versuchsergebnisse des Physikers Fermi, der für
seine falsche Interpretation 1938 den Nobelpreis erhielt,
dahingehend, dass es eine nukleare Spaltung geben könne.
Leider stand ihr zur Erbringung des Nachweises kein Material zur
Verfügung. Wie bekannt, führten dann Otto Hahn und
Fritz Straßmann vier Jahre später die berühmten
Versuche durch, die zur Entdeckung der Kernspaltung führten.
Auch die Bescheidenheit und Ehrlichkeit der Noddacks war ihnen
bei den entgegengebrachten Widerständen sowohl bei
wissenschaftlichen als auch politischen Auseinandersetzungen
nicht von Vorteil. Trotz zahlreicher Ehrungen später - na.
die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg, und auch
die zum 70. Geburtstag angefertigte Schale aus reinem Rhenium
steht heute im Deutschen Museum - sind die Verdienste zu wenig
bekannt.
Sie haben sich mit Ihrem Buch in der Publikation mit einer
innovativen, neuen Herstellungstechnik auseinandergesetzt. Sie
haben eine eigene Internetseite. Es ist noch ungewöhnlich,
dass ein Mann Ihres Alters [Anmerkung: 71 Jahre] sich mit den
neuen Technologien auseinandersetzt.
Wie man es von anderen Autoren auch kennt, ist die
Unterbringung eines Werkes bei einem Verlag ein mühsames
Geschäft. Angefangen bei höflichen Absagen über
Interesse am Buch mit der Bedingung, eigenständig Sponsoren
zu rekrutieren, bis zur Bereitschaft eines großen
deutschen Sachbuch-Verlages, Teile übernehmen zu wollen für
ein Sammelwerk, so weit reichen die Erfahrungen. Aus meinem
Eintreten für Gerechtigkeit, also einem korrigierten Bild
der wissenschaftlichen Leistungen und des Beitrags der Noddacks
innerhalb der Wissenschaftsgeschichte, hatte ich das Bedürfnis,
dass das Buch erscheinen müsse. Aufgrund des neuen
Verfahrens des 'Book on demand' entstanden mir relativ geringe
Unkosten, und das unternehmerische Risiko ist dadurch begrenzt,
dass das Buch in elektronischer Form vorliegt, somit keine
Lagerkosten entstehen und, wie der Name des Verfahrens bereits
ausdrückt, auf Verlangen hin aufgrund einer Bestellung
gedruckt wird. Die EDV ist mir seit Ende der 50er Jahre aufgrund
meiner beruflichen Laufbahn - Ende der 60er Jahre haben wir die
erste deutsche Datenbank für Patentsammlungen aufgebaut -
durchaus vertraut. Zwar programmiere ich heute nicht mehr und
lasse mir bei der Gestaltung der Internet- Seiten (www.
rhenium.purespace.de,) von einem meiner Söhne helfen, aber
das Scannen der Rezensionen oder die fototechnische Verfremdung
des Titelbilds und das Mailen sind für mich alltägliche
Arbeitsvorgänge geworden.
Planen Sie weitere Veröffentlichungen aus dem Bereich
der Chemie?
Ja, derzeit ist ein Buch über das Ozon in Arbeit, das
ebenso eine leicht verständliche Darstellung werden soll
mit wissenschaftsgeschichtlichem Hintergrund. Ich bin eben
Chemiker aus Berufung und werde es auch immer bleiben.
Hans Georg Tilgners auch für Nicht-Naturwissenschaftler
spannend zu lesendes Buch bietet einen gelungenen Einblick
gleich in mehrere Bereiche: Da ist zum einen die interessante
Biografie dieses so unterschiedlichen Forscherehepaars, zum
anderen ein erneutes Beispiel für den Konkurrenzkampf von
Forschern unterschiedlicher Fachrichtungen, ein Stück
Wissenschafts-geschichte, das im Zusammenhang mit deutscher
Geschichte einleuchtend dargestellt wird. Es ist zwar nicht
zuletzt auch ein naturwissenschaftliches Werk, aber es gelingt
Tilgner durchaus, auch dem Nichtchemiker und -Physiker die
wissenschaftlichen Erkenntnisse verständlich vor Augen zu führen.
Und wem es dann doch zu fachlich wird, kann ohne
Spannungsverlust darüber hinweg lesen.
TEXTAUSZÜGE: Während des Studiums und auch danach
bin ich immer wieder auf Arbeiten von Ida und Walter .Noddack
gestoßen und habe deren Kopien gesammelt. Wenn ich auf
Literatur anderer Wissenschaftler stieß, die sich mit den
Arbeiten der Noddacks befasst, habe ich auch diese gesammelt.
Das dabei entstandene Archiv hat mich dann angeregt, mein Wissen
um und über die Noddacks zu einem Buchmanuskript zu
verarbeiten. Es ging mir dabei nicht nur um die Persönlichkeiten
Ida Noddack-Tacke und Walter .Noddack, sondern ich wollte auch
die zeitgeschichtlichen Hintergründe einbeziehen, vor denen
ihre Forschungen stattfanden. Aus Gesprächen mit jungen
Chemiestudenten ging hervor, dass leider den jüngeren
Chemikerinnen und Chemikern das Wissen um die Geschichte ihrer
Wissenschaft in starkem Maße unbekannt ist. Leider fehlen
auch in Fachbüchern häufig Hinweise auf den
wissenschaftspolitischen Hintergrund. Diese Erkenntnis wurde für
mich auch zum Motiv, die Geschichte des Forscherehepaars
.Noddack- Tacke zu schreiben." (aus dem Vorwort) In der
sofort von Hahn eingeleiteten Veröffentlichung, in der das
Entstehen von Barium anstelle der erwarteten Transurane
festgestellt wird, unterlässt Otto Hahn jeden Hinweis auf
die von Ida .Noddack 1934 veröffentlichte These, dass Uran "in
größere Bruchstücke zerfallen" könnte.
Den nunmehr entdeckten Zerfall in größere Bruchstücke
hatte man bis dahin immer für undenkbar und sogar für
Unsinn gehalten.. .Anschließend mahnt sie Otto Hahn öffentlich
in einer Zuschrift an die Redaktion, also in einem Leserbrief an
die Zeitschrift "Naturwissenschaften", ihr wenigstens
eine Fußnote zu widmen. Ein solcher Wunsch schien ihr
keineswegs abwegig oder unverschämt. In der Wissenschaft
ist es üblicher Standard, eine ältere Veröffentlichung
einer anderen Autorin oder eines Autors zu zitieren, zumal ein,
wie sie wusste, ihre Veröffentlichung aus dem Jahre 1934
recht gut kannte... Erst 1966, nach fast 30 Jahren, erkannte
auch Otto Hahn Ida Noddacks Verdienst an der Entdeckung der
Kernspaltung in einem Interview mit den Worten "und die Ida
hatte doch recht" an.
Mit
freundlicher Genehmigung des Autoren und des Kommunikationsamt
der Stadt Mülheim an der Ruhr.
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Aus Fränkischer
Tag, Bamberg,
Montag, 24.07.2000
In Bamberg beinahe
vergessen
Hans Georg Tilgner erinnert an das
Forscherehepaar Noddack
"Forschen - Suche und Sucht"
und "Kein Nobelpreis für das deutsche Forscherehepaar,
das Rhenium entdeckt hat", Titel und Untertitel des Buches
machen es deutlich. Sein Autor, Dr. Hans Georg Tilgner, will das
über lange Jahre in Bamberg wirkende Forscherehepaar
posthum ehren. Grund für ihn: Tilgner hatte in der
Nachkriegszeit seinen Laborplatz im Bamberger Wasserschloss
Concordia gefunden, hat bei Walter Noddack und Ida Noddack-Tacke
studiert.
Doch bereits während dieser Zeit war der Name der Noddacks
weithin in Vergessenheit geraten, obwohl sie von 1932 bis 1937
allein wegen der Entdeckung der chemischen Elemente Rhenium und
Masurium mehrmals zum Nobelpreis vorgeschlagen waren. Neben den
Forscherleistungen zeichnet Tilgner auch den Weg von Walter
Noddack und Ida Noddack-Tacke, die 1947 nach Bamberg gekommen
waren, minutiös nach.
Etwa die Stationen des in Berlin geborenen Walter Noddack neben
dem Geburtsort Berlin; seinen Einsatz als Soldat im Ersten
Weltkrieg, seine Promotion in Berlin, wo er auch seine spätere
Frau Ida Tacke kennen lernte. Oder die Wirkungsstätten der
in Lackhausen am Niederrhein gebürtigen Ida Tacke, der späteren
Ida Noddack-Tacke: etwa Wesel, Aachen, und Berlin mit Studium,
Promotion und erster Anstellung. Es folgte der von ihren Elternhäusern
nicht gewünschte, auf Dauer doch gemeinsame Weg, der sie
nach dem Zweiten Weltkrieg nach Bamberg führte, wo sie auch
begraben sind. Ohne Vorstöße etwa des Remeis-Kreises
in den 1990er Jahren wären die Noddacks fast vergessen
worden.
Mit
freundlicher Genehmigung des Fränkischen Tags
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Aus Westdeutsche
Allgemeine Zeitung (WAZ), Mülheim,
Samstag, 22.07.2000
Eine Hommage an menschliche
Genies
Hans-Georg Tilgner würdigt
Forscherehepaar
Er
liebt die Chemie, er hasst Ungerechtigkeiten. Und er kannte das
Forscherehepaar Ida und Walter Noddack persönlich. Drei
gute Gründe für den Mülheimer Hans-Georg Tilgner,
die verkannten Entdecker des Rhenium posthum zu würdigen.
Zehn Jahre lang hat der einstige
Noddack-Schüler Archive, Nachlass und das eigene Gedächtnis
durchforstet, fünfzehn Aktenordner an Material gesammelt.
Das Ergebnis: "Forschen - Suche und Sucht" - eine 345
Seiten starke Biografle über die Noddacks und ihre
Geniestreiche, von denen viele erst spät und manche nie
anerkannt wurden. Die Entdeckung und Isolierung des Elements
Rhenium, das im Periodensystem die Ordnungszahl 75 hat, konnte
ihnen niemand nehmen. Wohl aber die des Elements 43, des
Masurium, das heute Technetium heißt.
Dass Ida Noddack (geborene Tacke) bereits 1934 die Kernspaltung
des Urans vorausgesagt hatte, gab der Atomforscher Otto Hahn
erst kurz vor seinem Tod 1966 zu; mit den Worten: "Die Ida
hatte doch Recht." Zehnmal wurde das Forscherehepaar für
den Nobelpreis vorgeschlagen, zehnmal blieb es bei der
Nominierung. Nobelpreis hin oder her - das Lebenswerk der
Noddacks gehört wenigstens in der Forschung gebührend
gewürdigt, sagte sich der promovierte Chemiker Tilgner. In
Bamberg erlebte er Walter Noddack als eher menschenscheuen
Professor (weswegen er auch mal als Tanzpartner von Ida
einsprang). Was ihn begeisterte, war Noddacks einprägsame
Art zu dozieren. "Chemie muss man erleben. Man darf nicht
einfach Formeln an die Tafel schreiben", so Tilgner. Diese Überzeugung
vermittelt er heute selbst in Einführungskursen für
Schüler des Gymnasiums seiner Heimatstadt Bocholt.
In seiner auch für den Laien verständlichen Biografie
legt Tilgner großen Wert auf das Menschliche -
insbesondere auf die Schwierigkeiten, die Ida Noddack hatte, als
Frau in der Wissenschaft anerkannt zu werden. Dabei kommen die
wissenschaftlichen Erläuterungen keineswegs zu kurz - die
Chemie zwischen Fachlektüre und Literatur stimmt.
Erschienen ist "Forschen - Suche und Sucht" als "Book
on Demand", zu bestellen unter der ISBN-Nummer
3-98911-272-1. Zur Sucht ist die ewige Suche eines Forschers längst
auch für Tilgner, die Ungeduld in Person, geworden. Seine nächste
Buchveröffentlichung soll ein Aufklärungs-Beitrag zum
Thema Ozon werden.
Mit
freundlicher Genehmigung der WAZ |
Aus Neue Ruhr
Zeitung (NRZ), Zeitung für Mülheim,
Mittwoch, 26.04.2000
Die Noddacks: Zwei
verhinderte Nobelpreisträger
Mülheimer
würdigt Forscherpaar
Wenn Hans Georg Tilgner vom Leben des
Forscherpaares Walter Noddack und Ida Noddack-Tacke erzählt,
gerät der 70-jährige Mülheimer ins Schwärmen.
Besonders von den Leistungen der 1978 verstorbenen Chemikerin
aus Wesel ist er faszininiert. "Als Jüngling habe ich
die Ida schon angehimnelt. Eine Frau zum Pferdestehlen mit
Forschergeist."
Seine Begeisterung bündelte Tilgner, selbst promovierter
Chemiker, nun in einem Buch über das außergewöhnliche
Paar. "Forschen -Suche und Sucht" heißt das
Werk. Bereits in den sechziger Jahren begann er Dokumente über
die Noddacks zu sammeln. Vor zehn Jahren reifte sein Entschluss,
ein Buch zu veröffentlichen. Sein Ziel: Das Lebenswerk der
Wissenschaftler soll endlich Beachtung finden. Denn die
Verdienste des höchst unterschiedlichen Paares (sie eine
lebenslustige, emanzipierte Frau aus reichem Haus, er ein
scheuer Wissenschaftler aus armen Verhältnissen) sind zwar
deutlich, aber wenig bekannt.
So widmeten die Noddacks ihr ganzes Leben der Forschung.
Jahrelang fahndeten sie unermüdlich nach der Existenz des
letzten natürlichen Elementes. Schließlich schaffte
es das Paar, ein Gramm des Pulvers aus 600 Kilogramm Mineralien
zu lösen, das Rhenium war entdeckt. Zehnmal wurden die
Noddacks in den Jahren 1932 bis 1937 für den Nobelpreis
vorgeschlagen - doch nie ausgezeichnet, denn: Die
Nationalsozialisten waren dagegen.
Den Forscherdrang bremste dies jedoch nicht. "Beide waren
sehr bescheiden", erklärt Tilgner. "Allein die
wissenschaftliche Arbeit zählte." So erkannte der
Chemie-Professor Walter Noddack schon vor einigen Jahrzehnten
das Kohlendioxd-Problem. Ida Noddack Tacke, eigentlich "nur"
seine wissenschaftliche Assistentin, sagte 1934 die richtige
Erklärung für die Kernspaltung des Urans voraus. Erst
kurz vor seinem Tod bestätigte der Atomforscher Otto Hahn
ihre Theorie. "Die Noddacks waren ihrer Zeit oft voraus",
seufzt Tilgner. "Das war wohl auch ihr Problem. Sie mussten
sich gegen viele Widerstände wehren." Doch gerade das
macht die Biografie des Paares so interessant.
Obwohl sich Hans Georg Tilgner vor allem mit dem Forscherleben
der Noddacks beschäftigte, ist sein 346 Seiten starkes Werk
nicht nur für Wissenschaftler lesbar. "Spannend wie
ein Krimi", verspricht er, sei das Buch. "Forschen -
Suche oder Sucht" ist als "Book on Demand" unter
der ISBN-Nr. 3-89811-272-1 zu bestellen. Aufgrund der großen
Nachfrage steht das Werk aber auch schon in den Regalen einiger
Buchhandlungen.
Mit
freundlicher Genehmigung der NRZ
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Aus Rheinische
Post, Lokalausgabe Wesel,
Donnerstag, 04.05.2000
Die Chemikerin Ida Noddack aus Wesel:
Zehn Mal für den Nobelpreis vorgeschlagen, aber die
wissenschaftliche und politische Männerwelt wollte sie
nicht.
Ida und Walter Noddack:
Wissenschaftler-Leben
Forschung zwischen Suche
und Sucht
WESEL. Nach der in Wesel geborenen
Chemikerin Ida Noddack geborene Tacke ((1896 - 178) ist in
Lackhausen eine Straße benannt. Zusammen mit ihrem Mann,
dem Chemiker Walter Noddack (1893 - 1960), wurde sie zehn Mal für
den Nobelpreis vorgeschlagen. Verliehen wurde er ihnen nicht.
Die politischen Unwägbarkeiten der Zeit vor dem Zweiten
Weltkrieg und der Krieg selbst mögen dabei mitgespielt
haben.
Gemeinsam entdeckte das Forscherehepaar Noddack-Tacke 1925 das
Element "Rhenium". Ida Noddack insbesondere löste,
filterte, reicherte an und isolierte jahrelang aus einer Unzahl
von Molybdän Proben jenes Element mit der Ordnungszahl 75.
Außerdem entdeckte sie das Element 43, das Masurium, heute
Technetium genannt. Die Entdeckung und Herstellung einer kleinen
Menge des Metalls Rhenium wurde dem Forscherpaar nach Einwänden
anderer Chemiker und Physiker, schließlich zuerkannt. Das
Masurium nicht. Aus der Kenntnis des Periodensystems der
Elemente und der Eigenschaften der benachbarten Elemente schloss
Ida Noddack auf die Eigenschaften der fehlenden Elemente 75 und
43. Ihre Logik bestätigte sich experimentell. Walter und
Ida Noddack haben außerdem mehrere andere bahnbrechende
Leistungen in der chemischen und physikalischen Forschung
vollbracht. Dafür wurden ihnen von wissenschaftlichen
Gesellschaften des In- und Auslandes Ehrungen zuteil.
Der Chemiker Dr. Hans Georg Tilgner, ein Schüler der
Forscher, schrieb die Biografie der Noddacks.,, Forschen - Suche
und Sucht'. Mit der Sucht meint er die Arbeitsbesessenheit und
-disziplin. Der Buchautor las sich durch Archive, suchte im
Nachlass, befragte deren noch lebende Freunde, nahm auch eigene
Erinnerungen zu Hilfe, um den seinerzeit manches Mal verkannten
Entdeckern ein Denkmal zu setzen. Neid und Indiskretion. Für
Chemiker und Physiker sind die fachlichen Erläuterungen
besonders interessant. Wer sich eher der Lebensbeschreibung
widmen möchte, kann über jene Ausführungen hinweg
lesen.
Traurig stimmt, was täglich in jeder menschlichen Gruppe
in irgend einer Form zu beobachten ist; Neid, Indiskretion
Hintertreiben von eingeleiteten Ehrungen und Beförderungen
hemmen einen Lebensweg. Ida Noddack hatte, Jahre bevor Otto Hahn
die Kernspaltung gelang, aus ihrem hervorragenden theoretischen
Denkvermögen heraus vorhergesagt, dass sich Atomkerne in
mehrere Bruchstücke spalten lassen. Bevor sich das im
Experiment bewahrheitete, galt die Ansicht, dass bei einer
Kernspaltung eine Umwandlung des betreffenden Elements passiere.
Otto Hahn hat erst 1966, fast 30 Jahre nach der ersten
Kernspaltung, Ida Noddacks frühe Erkenntnis gewürdigt:
"Die Ida hatte doch recht."
Tilgners Buch ist unter ISBN 3-89811-272-1 oder BOD Norderstedt
Libri-Nr' 9536434 zu bestellen. hb
Mit
freundlicher Genehmigung der Rheinischen Post |
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