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Erinnerung an Ida Noddack, NRZ Wesel vom 26.02.2006| Der Freund der Forscherin, Rheinische Post vom 07.01.2006| Als Mann in die Vorlesung, NRZ vom 06.01.2006| Jahrbuch der Stadt Mülheim an der Ruhr 2001 | Fränkischer Tag vom 24.07.2000 |
WAZ vom 22.07.2000 | NRZ vom 26.04.2000 | Rheinische Post vom 04.05.2000


Erinnerung an Ida Noddack
ENTHÜLLUNG / Am Geburtshaus in Lackhausen kündet eine Tafel von der Chemikerin.

WESEL. Am vergangenen Samstag jährte sich auf den Tag genau Ida Noddacks 110. Geburtstag. Zu Ehren der berühmten Weselerin enthüllte Bürgermeisterin Ulrike Westkamp an Noddacks Geburtshaus in Lackhausen eine Bronzetafel. Der Weseler Verkehrsverein hat in den letzten zwanzig Jahren genau zwanzig dieser Tafeln anfertigen lassen, die an verdiente Weseler Bürgerinnen und Bürger, bekannte Plätze oder Gebäude erinnern.

Am Geburtshaus in Lackhausen kündet eine Tafel von der Chemikerin
Bürgermeisterin Ulrike Westkamp (links) enthüllte in Lackhausen gemeinsam mit Christiane Hetzel, Dr. Hans Georg Tilgner, Reinhard Hofacker und Helmut Roehl (v.l.)die Bronzetafel. (Foto: Gerd Hermann)

An Ida Noddacks Elternhaus an der Lackfabrik enthüllte die Bürgermeisterin gemeinsam mit Vertretern des Verkehrsvereins die Bronzetafel, welche die promovierte Chemikerin und deren Verdienste würdigt. Zusammen mit ihrem Mann Walter Noddack entdeckte die gebürtige Lackhausenerin 1925 die chemischen Elemente Rhenium und Masurium, heute Technetium. "Ida Noddack blieb an dem Ort ihres Studiums, in Berlin", sagte Ulrike Westkamp in ihrer Ansprache. Dort arbeitete sie zusammen mit Ehemann Walter an der Physikalischen Reichsanstalt. Die Tochter des Lackhausener Lackfabrikanten Adalbert Tacke forschte auf zahlreichen Gebieten der Chemie, so etwa der Photo-, Geo- und Kosmochemie. Bereits 1934 vermutete Noddack, durch Natronenbeschuss Urankerne spalten zu können.

Bei der feierlichen Enthüllung der Bronzetafel dabei war unter anderen Dr. Hans Georg Tilgner. Er übergab im Herbst vergangenen Jahres dem Stadtarchiv seine umfangreiche Sammlung zu Ida und Walter Noddack. Darin enthalten sind das wissenschaftliche Werk, Tonaufzeichnungen und Würdigungen des Forscherehepaares. "Der Weg zwischen den Bronzetafeln in Wesel soll in den nächsten Jahren als historische Radwanderroute erschlossen werden", so der Geschäftsführer des Weseler Verkehrsvereins, Helmut Roehl. Noch weitere 15 Tafeln sollen angebracht werden. Unter anderem gibt es Bronzetafeln bereits am Mathenakreuz (Sparkassen-Filiale), am Geburtshaus des Sozialdemokraten Friedrich Ebert (Lederwaren Scherz), am Willibrordi-Dom sowie am jüdischen Friedhof an der Norbertstraße. Zuletzt befestigte der Verkehrsverein im Jahre 2002 eine Tafel am Modehaus Mensing - zur Erinnerung an die Berliner-Tor-Kaserne.

26.02.2006 STEFAN SCHMELTING NRZ-Redaktion Wesel


Der Freund der Forscherin

Vor 110 Jahren wurde Ida Noddack in Wesel geboren. Dr. Hans Georg Tilgner, Schüler und Freund der berühmten Chemikerin, übergab dem Stadtarchiv gestern seine umfangreiche Sammlung über das Forscher-Ehepaar Ida und Walter Noddack.

Rheinische Post (Wesel) vom 07. Januar 2006

Vollständiger Text im Download...




Als Mann in die Vorlesung

Die Weselerin Ida Noddack verkleidete sich schon mal. Eine Sammlung über die Chemikerin fürs Stadtarchiv

NRZ (Wesel) vom 06. Januar 2006

Vollständiger Text im Download...




Ein Interview des Leiters der Mülheimer Stadtbücherei, erschienen in "Mülheim an der Ruhr - Jahrbuch 2001" Herausgeber: Verkehrsverein Mülheim an der Ruhr e. V. in Verbindung mit dem Kommunikationsamt der Stadt Mülheim an der Ruhr.

Klaus-Peter Böttger:

Dr. Hans Georg Tilgner

Forschen - Suche und Sucht: Kein Nobelpreis für das deutsche Forscherehepaar, das Rhenium entdeckt hat. Ein Interview mit dem Diplom- Chemiker und Autoren Hans Georg Tilgner, der vom Erleben der Chemie zu erzählen weiß.


Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Biografie über die beiden Forscher Walter Noddack und Ida Noddack-Tacke zu schreiben?

Ich bin in Bocholt zur Schule gegangen, und mein sehnlichster Wunsch war es, Chemie zu studieren. Ein anderes Fach kam für mich nicht in Frage. Die Zeit nach dem Krieg war, was die Studienplätze betraf vergleichbar mit dem heutigen numerus clausus, so dass, da an der Universität Münster alle Plätze belegt waren, es mich nach Bamberg an die Philosophisch- Theologische Hochschule verschlug. Dort studierte ich dann bei Walter Noddack. Auf einem studentischen Pfingstfest lernte ich Noddacks Frau Ida kennen, deren Familie aus Bocholt stammte, so dass wir genügend Gesprächsstoff hatten. Allerdings bekam ich nach einem Jahr einen Studienplatz in Braunschweig und habe nach dem dortigen Vorexamen in Gießen mein Studium abgeschlossen.

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Foto: Walter Schernstein

War der Eindruck des einen Studienjahres in Bamberg so prägend, dass die Beschäftigung mit dem Noddack-Ehepaar Sie nicht mehr losließ?

Es ergaben sich im Laufe der Jahre noch mehr Zufälle sowohl privater als auch beruflicher Natur über das erste Kennenlernen in Bamberg hinaus. Unter anderem hatte ich einen Professor, der immer wieder auf Forschungsergebnisse von Walter Noddack und Ida Noddack-Tacke zurückgriff. Darüber hinaus war ich im Laufe meines beruflichen Werdegangs in den Bereich der Dokumentation und Information gelangt, so dass ich die Möglichkeit hatte, im beruflich privaten Rahmen alle Literatur über die Noddacks zu sammeln und zu archivieren. Und dann gibt es solche Zufälle, dass der Testamentsvollstrecker von Ida Noddack mit mir früher zur Schule gegangen ist.

Wie kam es letztendlich dann zur Veröffentlichung Ihres Buchs?

1988 habe ich begonnen, die Lücken in meiner Sammlung zu schließen. Ich habe zahlreiche Archive aufgesucht, noch lebende Freunde befragt und den Nachlass untersucht. Eine besonders intensive Zusammenarbeit entstand dabei mit Professor Pieter Van Assche von der Katholischen Universität in Leuven, Belgien, der das Noddack-Archiv der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Das wissenschaftliche Erbe sollte, so die Verpflichtung der Noddacks, an das Deutsche Museum kommen, die aber ablehnten, und es wurde nach Leuven verkauft. Dort habe ich einen Teil des Bestandes mitarchiviert und den gesamten Archivbestand ins Deutsche übersetzt. So sind in meinem Buch einige Dokumente erstmals veröffentlicht. Schon vor dem Erscheinen des Buches habe ich meine Erkenntnisse u.a. auf dem Festkolloquium zu Ehren des 100. Geburtstages und des 75-jährigen Doktor-Jubiläums von Ida Noddack an der Technischen Universität Berlin vortragen dürfen.

Was macht das Tragische insbesondere von Ida Noddack aus?

Obwohl sie die erste Frau war, die an der heutigen TU Berlin ihren Doktor in Chemie machte, rückte sie, weil eben eine forschende Frau, in den Hintergrund und war immer die wissenschaftliche Mitarbeiterin ihres Mannes. Sie selber hat dies nie als Nachteil empfunden, so hat sie in einem Interview 1965 gesagt, denn das Forschen war ihr wichtig. Die Noddacks entdeckten zwei chemische Elemente, das eine Rhenium, ein für die Raketentechnik heute noch wichtiges Element, das andere von ihnen "Masurium "j, heute Technetium, genannt, das ihnen zunächst aberkannt wurde, da sie, weil dieses Element nur in geringen Mengen vorkommt und sehr instabil ist, den erbrachten Nachweis nicht durch Präparate belegen konnten. In den 30er Jahren sind die Noddacks zehnmal für den Nobelpreis vorgeschlagen worden, haben ihn aber nie, wohl auch aus politischen Gründen, bekommen. So auch bei der Auseinandersetzung mit Otto Hahn, der ihn für die Entdeckung der Kernspaltung erhielt, wozu Ida Noddack erste Erkenntnisse lieferte, die aber nicht akzeptiert wurden. So deutete sie die Versuchsergebnisse des Physikers Fermi, der für seine falsche Interpretation 1938 den Nobelpreis erhielt, dahingehend, dass es eine nukleare Spaltung geben könne. Leider stand ihr zur Erbringung des Nachweises kein Material zur Verfügung. Wie bekannt, führten dann Otto Hahn und Fritz Straßmann vier Jahre später die berühmten Versuche durch, die zur Entdeckung der Kernspaltung führten. Auch die Bescheidenheit und Ehrlichkeit der Noddacks war ihnen bei den entgegengebrachten Widerständen sowohl bei wissenschaftlichen als auch politischen Auseinandersetzungen nicht von Vorteil. Trotz zahlreicher Ehrungen später - na. die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg, und auch die zum 70. Geburtstag angefertigte Schale aus reinem Rhenium steht heute im Deutschen Museum - sind die Verdienste zu wenig bekannt.

Sie haben sich mit Ihrem Buch in der Publikation mit einer innovativen, neuen Herstellungstechnik auseinandergesetzt. Sie haben eine eigene Internetseite. Es ist noch ungewöhnlich, dass ein Mann Ihres Alters [Anmerkung: 71 Jahre] sich mit den neuen Technologien auseinandersetzt.

Wie man es von anderen Autoren auch kennt, ist die Unterbringung eines Werkes bei einem Verlag ein mühsames Geschäft. Angefangen bei höflichen Absagen über Interesse am Buch mit der Bedingung, eigenständig Sponsoren zu rekrutieren, bis zur Bereitschaft eines großen deutschen Sachbuch-Verlages, Teile übernehmen zu wollen für ein Sammelwerk, so weit reichen die Erfahrungen. Aus meinem Eintreten für Gerechtigkeit, also einem korrigierten Bild der wissenschaftlichen Leistungen und des Beitrags der Noddacks innerhalb der Wissenschaftsgeschichte, hatte ich das Bedürfnis, dass das Buch erscheinen müsse. Aufgrund des neuen Verfahrens des 'Book on demand' entstanden mir relativ geringe Unkosten, und das unternehmerische Risiko ist dadurch begrenzt, dass das Buch in elektronischer Form vorliegt, somit keine Lagerkosten entstehen und, wie der Name des Verfahrens bereits ausdrückt, auf Verlangen hin aufgrund einer Bestellung gedruckt wird. Die EDV ist mir seit Ende der 50er Jahre aufgrund meiner beruflichen Laufbahn - Ende der 60er Jahre haben wir die erste deutsche Datenbank für Patentsammlungen aufgebaut - durchaus vertraut. Zwar programmiere ich heute nicht mehr und lasse mir bei der Gestaltung der Internet- Seiten (www. rhenium.purespace.de,) von einem meiner Söhne helfen, aber das Scannen der Rezensionen oder die fototechnische Verfremdung des Titelbilds und das Mailen sind für mich alltägliche Arbeitsvorgänge geworden.

Planen Sie weitere Veröffentlichungen aus dem Bereich der Chemie?

Ja, derzeit ist ein Buch über das Ozon in Arbeit, das ebenso eine leicht verständliche Darstellung werden soll mit wissenschaftsgeschichtlichem Hintergrund. Ich bin eben Chemiker aus Berufung und werde es auch immer bleiben.

Hans Georg Tilgners auch für Nicht-Naturwissenschaftler spannend zu lesendes Buch bietet einen gelungenen Einblick gleich in mehrere Bereiche: Da ist zum einen die interessante Biografie dieses so unterschiedlichen Forscherehepaars, zum anderen ein erneutes Beispiel für den Konkurrenzkampf von Forschern unterschiedlicher Fachrichtungen, ein Stück Wissenschafts-geschichte, das im Zusammenhang mit deutscher Geschichte einleuchtend dargestellt wird. Es ist zwar nicht zuletzt auch ein naturwissenschaftliches Werk, aber es gelingt Tilgner durchaus, auch dem Nichtchemiker und -Physiker die wissenschaftlichen Erkenntnisse verständlich vor Augen zu führen. Und wem es dann doch zu fachlich wird, kann ohne Spannungsverlust darüber hinweg lesen.


TEXTAUSZÜGE: Während des Studiums und auch danach bin ich immer wieder auf Arbeiten von Ida und Walter .Noddack gestoßen und habe deren Kopien gesammelt. Wenn ich auf Literatur anderer Wissenschaftler stieß, die sich mit den Arbeiten der Noddacks befasst, habe ich auch diese gesammelt. Das dabei entstandene Archiv hat mich dann angeregt, mein Wissen um und über die Noddacks zu einem Buchmanuskript zu verarbeiten. Es ging mir dabei nicht nur um die Persönlichkeiten Ida Noddack-Tacke und Walter .Noddack, sondern ich wollte auch die zeitgeschichtlichen Hintergründe einbeziehen, vor denen ihre Forschungen stattfanden. Aus Gesprächen mit jungen Chemiestudenten ging hervor, dass leider den jüngeren Chemikerinnen und Chemikern das Wissen um die Geschichte ihrer Wissenschaft in starkem Maße unbekannt ist. Leider fehlen auch in Fachbüchern häufig Hinweise auf den wissenschaftspolitischen Hintergrund. Diese Erkenntnis wurde für mich auch zum Motiv, die Geschichte des Forscherehepaars .Noddack- Tacke zu schreiben." (aus dem Vorwort) In der sofort von Hahn eingeleiteten Veröffentlichung, in der das Entstehen von Barium anstelle der erwarteten Transurane festgestellt wird, unterlässt Otto Hahn jeden Hinweis auf die von Ida .Noddack 1934 veröffentlichte These, dass Uran "in größere Bruchstücke zerfallen" könnte. Den nunmehr entdeckten Zerfall in größere Bruchstücke hatte man bis dahin immer für undenkbar und sogar für Unsinn gehalten.. .Anschließend mahnt sie Otto Hahn öffentlich in einer Zuschrift an die Redaktion, also in einem Leserbrief an die Zeitschrift "Naturwissenschaften", ihr wenigstens eine Fußnote zu widmen. Ein solcher Wunsch schien ihr keineswegs abwegig oder unverschämt. In der Wissenschaft ist es üblicher Standard, eine ältere Veröffentlichung einer anderen Autorin oder eines Autors zu zitieren, zumal ein, wie sie wusste, ihre Veröffentlichung aus dem Jahre 1934 recht gut kannte... Erst 1966, nach fast 30 Jahren, erkannte auch Otto Hahn Ida Noddacks Verdienst an der Entdeckung der Kernspaltung in einem Interview mit den Worten "und die Ida hatte doch recht" an.


Mit freundlicher Genehmigung des Autoren und des Kommunikationsamt der Stadt Mülheim an der Ruhr.


Aus Fränkischer Tag, Bamberg,
Montag, 24.07.2000


In Bamberg beinahe vergessen

Hans Georg Tilgner erinnert an das Forscherehepaar Noddack


"Forschen - Suche und Sucht" und "Kein Nobelpreis für das deutsche Forscherehepaar, das Rhenium entdeckt hat", Titel und Untertitel des Buches machen es deutlich. Sein Autor, Dr. Hans Georg Tilgner, will das über lange Jahre in Bamberg wirkende Forscherehepaar posthum ehren. Grund für ihn: Tilgner hatte in der Nachkriegszeit seinen Laborplatz im Bamberger Wasserschloss Concordia gefunden, hat bei Walter Noddack und Ida Noddack-Tacke studiert.

Doch bereits während dieser Zeit war der Name der Noddacks weithin in Vergessenheit geraten, obwohl sie von 1932 bis 1937 allein wegen der Entdeckung der chemischen Elemente Rhenium und Masurium mehrmals zum Nobelpreis vorgeschlagen waren. Neben den Forscherleistungen zeichnet Tilgner auch den Weg von Walter Noddack und Ida Noddack-Tacke, die 1947 nach Bamberg gekommen waren, minutiös nach.

Etwa die Stationen des in Berlin geborenen Walter Noddack neben dem Geburtsort Berlin; seinen Einsatz als Soldat im Ersten Weltkrieg, seine Promotion in Berlin, wo er auch seine spätere Frau Ida Tacke kennen lernte. Oder die Wirkungsstätten der in Lackhausen am Niederrhein gebürtigen Ida Tacke, der späteren Ida Noddack-Tacke: etwa Wesel, Aachen, und Berlin mit Studium, Promotion und erster Anstellung. Es folgte der von ihren Elternhäusern nicht gewünschte, auf Dauer doch gemeinsame Weg, der sie nach dem Zweiten Weltkrieg nach Bamberg führte, wo sie auch begraben sind. Ohne Vorstöße etwa des Remeis-Kreises in den 1990er Jahren wären die Noddacks fast vergessen worden.
Mit freundlicher Genehmigung des Fränkischen Tags


Aus Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), Mülheim,
Samstag, 22.07.2000


Eine Hommage an menschliche Genies

Hans-Georg Tilgner würdigt Forscherehepaar



Er liebt die Chemie, er hasst Ungerechtigkeiten. Und er kannte das Forscherehepaar Ida und Walter Noddack persönlich. Drei gute Gründe für den Mülheimer Hans-Georg Tilgner, die verkannten Entdecker des Rhenium posthum zu würdigen.

Zehn Jahre lang hat der einstige Noddack-Schüler Archive, Nachlass und das eigene Gedächtnis durchforstet, fünfzehn Aktenordner an Material gesammelt. Das Ergebnis: "Forschen - Suche und Sucht" - eine 345 Seiten starke Biografle über die Noddacks und ihre Geniestreiche, von denen viele erst spät und manche nie anerkannt wurden. Die Entdeckung und Isolierung des Elements Rhenium, das im Periodensystem die Ordnungszahl 75 hat, konnte ihnen niemand nehmen. Wohl aber die des Elements 43, des Masurium, das heute Technetium heißt.

Dass Ida Noddack (geborene Tacke) bereits 1934 die Kernspaltung des Urans vorausgesagt hatte, gab der Atomforscher Otto Hahn erst kurz vor seinem Tod 1966 zu; mit den Worten: "Die Ida hatte doch Recht." Zehnmal wurde das Forscherehepaar für den Nobelpreis vorgeschlagen, zehnmal blieb es bei der Nominierung. Nobelpreis hin oder her - das Lebenswerk der Noddacks gehört wenigstens in der Forschung gebührend gewürdigt, sagte sich der promovierte Chemiker Tilgner. In Bamberg erlebte er Walter Noddack als eher menschenscheuen Professor (weswegen er auch mal als Tanzpartner von Ida einsprang). Was ihn begeisterte, war Noddacks einprägsame Art zu dozieren. "Chemie muss man erleben. Man darf nicht einfach Formeln an die Tafel schreiben", so Tilgner. Diese Überzeugung vermittelt er heute selbst in Einführungskursen für Schüler des Gymnasiums seiner Heimatstadt Bocholt.

In seiner auch für den Laien verständlichen Biografie legt Tilgner großen Wert auf das Menschliche - insbesondere auf die Schwierigkeiten, die Ida Noddack hatte, als Frau in der Wissenschaft anerkannt zu werden. Dabei kommen die wissenschaftlichen Erläuterungen keineswegs zu kurz - die Chemie zwischen Fachlektüre und Literatur stimmt. Erschienen ist "Forschen - Suche und Sucht" als "Book on Demand", zu bestellen unter der ISBN-Nummer 3-98911-272-1. Zur Sucht ist die ewige Suche eines Forschers längst auch für Tilgner, die Ungeduld in Person, geworden. Seine nächste Buchveröffentlichung soll ein Aufklärungs-Beitrag zum Thema Ozon werden.


Mit freundlicher Genehmigung der WAZ


Aus Neue Ruhr Zeitung (NRZ), Zeitung für Mülheim,
Mittwoch, 26.04.2000


Die Noddacks: Zwei verhinderte Nobelpreisträger


Mülheimer würdigt Forscherpaar

Wenn Hans Georg Tilgner vom Leben des Forscherpaares Walter Noddack und Ida Noddack-Tacke erzählt, gerät der 70-jährige Mülheimer ins Schwärmen. Besonders von den Leistungen der 1978 verstorbenen Chemikerin aus Wesel ist er faszininiert. "Als Jüngling habe ich die Ida schon angehimnelt. Eine Frau zum Pferdestehlen mit Forschergeist."

Seine Begeisterung bündelte Tilgner, selbst promovierter Chemiker, nun in einem Buch über das außergewöhnliche Paar. "Forschen -Suche und Sucht" heißt das Werk. Bereits in den sechziger Jahren begann er Dokumente über die Noddacks zu sammeln. Vor zehn Jahren reifte sein Entschluss, ein Buch zu veröffentlichen. Sein Ziel: Das Lebenswerk der Wissenschaftler soll endlich Beachtung finden. Denn die Verdienste des höchst unterschiedlichen Paares (sie eine lebenslustige, emanzipierte Frau aus reichem Haus, er ein scheuer Wissenschaftler aus armen Verhältnissen) sind zwar deutlich, aber wenig bekannt.

So widmeten die Noddacks ihr ganzes Leben der Forschung. Jahrelang fahndeten sie unermüdlich nach der Existenz des letzten natürlichen Elementes. Schließlich schaffte es das Paar, ein Gramm des Pulvers aus 600 Kilogramm Mineralien zu lösen, das Rhenium war entdeckt. Zehnmal wurden die Noddacks in den Jahren 1932 bis 1937 für den Nobelpreis vorgeschlagen - doch nie ausgezeichnet, denn: Die Nationalsozialisten waren dagegen.

Den Forscherdrang bremste dies jedoch nicht. "Beide waren sehr bescheiden", erklärt Tilgner. "Allein die wissenschaftliche Arbeit zählte." So erkannte der Chemie-Professor Walter Noddack schon vor einigen Jahrzehnten das Kohlendioxd-Problem. Ida Noddack Tacke, eigentlich "nur" seine wissenschaftliche Assistentin, sagte 1934 die richtige Erklärung für die Kernspaltung des Urans voraus. Erst kurz vor seinem Tod bestätigte der Atomforscher Otto Hahn ihre Theorie. "Die Noddacks waren ihrer Zeit oft voraus", seufzt Tilgner. "Das war wohl auch ihr Problem. Sie mussten sich gegen viele Widerstände wehren." Doch gerade das macht die Biografie des Paares so interessant.

Obwohl sich Hans Georg Tilgner vor allem mit dem Forscherleben der Noddacks beschäftigte, ist sein 346 Seiten starkes Werk nicht nur für Wissenschaftler lesbar. "Spannend wie ein Krimi", verspricht er, sei das Buch. "Forschen - Suche oder Sucht" ist als "Book on Demand" unter der ISBN-Nr. 3-89811-272-1 zu bestellen. Aufgrund der großen Nachfrage steht das Werk aber auch schon in den Regalen einiger Buchhandlungen.

Mit freundlicher Genehmigung der NRZ


Aus Rheinische Post, Lokalausgabe Wesel,
Donnerstag, 04.05.2000


Die Chemikerin Ida Noddack aus Wesel: Zehn Mal für den Nobelpreis vorgeschlagen, aber die wissenschaftliche und politische Männerwelt wollte sie nicht.

Ida und Walter Noddack: Wissenschaftler-Leben

Forschung zwischen Suche und Sucht

WESEL. Nach der in Wesel geborenen Chemikerin Ida Noddack geborene Tacke ((1896 - 178) ist in Lackhausen eine Straße benannt. Zusammen mit ihrem Mann, dem Chemiker Walter Noddack (1893 - 1960), wurde sie zehn Mal für den Nobelpreis vorgeschlagen. Verliehen wurde er ihnen nicht. Die politischen Unwägbarkeiten der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und der Krieg selbst mögen dabei mitgespielt haben.

Gemeinsam entdeckte das Forscherehepaar Noddack-Tacke 1925 das Element "Rhenium". Ida Noddack insbesondere löste, filterte, reicherte an und isolierte jahrelang aus einer Unzahl von Molybdän Proben jenes Element mit der Ordnungszahl 75. Außerdem entdeckte sie das Element 43, das Masurium, heute Technetium genannt. Die Entdeckung und Herstellung einer kleinen Menge des Metalls Rhenium wurde dem Forscherpaar nach Einwänden anderer Chemiker und Physiker, schließlich zuerkannt. Das Masurium nicht. Aus der Kenntnis des Periodensystems der Elemente und der Eigenschaften der benachbarten Elemente schloss Ida Noddack auf die Eigenschaften der fehlenden Elemente 75 und 43. Ihre Logik bestätigte sich experimentell. Walter und Ida Noddack haben außerdem mehrere andere bahnbrechende Leistungen in der chemischen und physikalischen Forschung vollbracht. Dafür wurden ihnen von wissenschaftlichen Gesellschaften des In- und Auslandes Ehrungen zuteil.

Der Chemiker Dr. Hans Georg Tilgner, ein Schüler der Forscher, schrieb die Biografie der Noddacks.,, Forschen - Suche und Sucht'. Mit der Sucht meint er die Arbeitsbesessenheit und -disziplin. Der Buchautor las sich durch Archive, suchte im Nachlass, befragte deren noch lebende Freunde, nahm auch eigene Erinnerungen zu Hilfe, um den seinerzeit manches Mal verkannten Entdeckern ein Denkmal zu setzen. Neid und Indiskretion. Für Chemiker und Physiker sind die fachlichen Erläuterungen besonders interessant. Wer sich eher der Lebensbeschreibung widmen möchte, kann über jene Ausführungen hinweg lesen.

Traurig stimmt, was täglich in jeder menschlichen Gruppe in irgend einer Form zu beobachten ist; Neid, Indiskretion Hintertreiben von eingeleiteten Ehrungen und Beförderungen hemmen einen Lebensweg. Ida Noddack hatte, Jahre bevor Otto Hahn die Kernspaltung gelang, aus ihrem hervorragenden theoretischen Denkvermögen heraus vorhergesagt, dass sich Atomkerne in mehrere Bruchstücke spalten lassen. Bevor sich das im Experiment bewahrheitete, galt die Ansicht, dass bei einer Kernspaltung eine Umwandlung des betreffenden Elements passiere. Otto Hahn hat erst 1966, fast 30 Jahre nach der ersten Kernspaltung, Ida Noddacks frühe Erkenntnis gewürdigt: "Die Ida hatte doch recht."

Tilgners Buch ist unter ISBN 3-89811-272-1 oder BOD Norderstedt Libri-Nr' 9536434 zu bestellen. hb

Mit freundlicher Genehmigung der Rheinischen Post