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"Eine elementare Entdeckung" (aus: Spektrum der Wissenschaft) | Symposium in Leuven vom 17.-20.09.1996 | Zum Kapitel: Das Element 43 - Masurium oder Technetium? | Ein Schreiben von Frau Gisela Lux, 91 Jahre, Cousine von Ida Noddack, aus Berlin | Der Remeis Kreis e.V. zur Straßenbenennung in Bamberg | Ein Lageplan vom Tiefbauamt Bamberg


Aus Spektrum
DER WISSENSCHAFT
"Im Brennpunkt"


Eine elementare Entdeckung


Vor 75 Jahren, im Jahre 1925, verkündeten die deutsche Chemikerin Ida Tacke und ihre Kollegen, sie hätten mit Hilfe der Röntgenspektroskopie das Element 43 entdeckt und auf den Namen Masurium getauft. Doch aus verschiedenen Gründen fand ihre Veröffentlichung nur wenig Akzeptanz. Der Physik-Nobelpreisträger Ernest O. Lawrence nannte die Masurium-Entdecker sogar 'offenbar irregeleitet'. Der Ruhm, Element 43 gefunden zu haben, ging stattdessen 1937 an Carlo Perrier und Emilio Segré, die ihm den Namen Technetium gaben. Aus heutiger Sicht betrachtet könnte Ida Tacke aber damals durchaus Recht gehabt haben.

Neueste Untersuchungen haben Ida Tackes Behauptung von 1925, Element 43 entdeckt zu haben, neuen Auftrieb gegeben. Grund genug, die Affäre näher zu betrachten. Bei ihren Untersuchungen haben Ida Tacke und Walter Noddack (die später heirateten) sowie Otto Berg Elektronenstrahlen auf verschiedene Materialien gerichtet und sie damit zur mission von Röntgenstrahlung angeregt. Es war damals schon weithin bekannt, dass die Wellenlängen dieser Röntgenstrahlen direkt mit den Kernladungszahlen der angeregten Elemente korrelieren. Mit diesem Verfahren analysierte das Noddack-Team Columbit-Erze, schwarze Nioboxidminerale, und erhielt dabei schwache Röntgenspektrallinien, die dem radioaktiven Element 43 zu entsprechen schienen.

Doch die wissenschaftliche Welt erkannte diese Resultate nicht an. Da die vermutete Halbwertszeit von Element 43 bei 210 000 Jahren liegen sollte, schlossen die meisten Wissenschaftler die natürliche Existenz dieses Elements auf der wesentlich älteren Erde aus. Perrier und Segrè stellten Element 43 hingegen künstlich her, indem sie Molybdän mit der Ordnungszahl 42 in einem Cyclotron mit subatomaren Teilchen beschossen. Sie gaben ihm den Namen Technetium (Tc). Auch die Tatsache, dass Tacke eine Chemikerin und nicht Physikerin und zudem eine Frau war, die in keiner höheren akademischen Position stand, hat ihrer Behauptung vermutlich nicht geholfen. 1979 starb Ida Tacke.

Doch mittlerweile haben Wissenschaftler gelernt, dass Technetium durchaus natürlich auftritt: Es entsteht bei der spontanen Spaltung von Uran. David Curtis und seine Kollegen vom Los Alamos National Laboratory in Kalifornien haben kürzlich Technetium in kanadischen Uranerzen bestimmt, ein Fund, der Forschungen aus den 60er Jahren erneut bestätigte. Die Konzentration war allerdings verschwindend gering. Sie betrug nur einige Pikogramm Technetium pro Kilogramm Uran. Und die von Noddack und Berg untersuchten Erze enthielten lediglich zehn Prozent Uran. Bei diesen niedrigen Konzentrationen stellt sich die Frage, ob ihre Analysegeräte überhaupt die erforderliche Empfindlichkeit besaßen, das Technetium zu detektieren.

John T. Armstrong vom National Institute of Standards and Technology in Gaithersburg benutzte ein Programm zur Analyse von Spektren sowie eine Datenbank mit hochpräzisen Röntgenmessungen, um die Untersuchungen von Noddacks Team zu simulieren. Er stellte bei einer Reihe virtueller Experimente fest, dass sich die Masurium-Messungen Noddacks tatsächlich auf die Anwesenheit von Element 43 in den Columbiterzen zurückführen ließ. Auch waren die von Noddack und Berg benutzten Instrumente nach Angaben von Armstrong offenbar ausreichend empfindlich. Sie konnten damit weniger als ein Milliardstel Gramm Element 43 nachweisen, das sich in einem chemisch separierten Extrakt aus einem Kilogramm Erz befand. "Aufgrund dieser Erkenntnisse", meint Armstrong, "ist es hochwahrscheinlich, dass sie Element 43 gefunden haben."

Andere Tatsachen sind fast schockierend. Die Noddacks und Berg benutzten die selbe Röntgentechnik, um später Element 75, Rhenium zu entdecken, was die Wissenschaft ohne Zögern anerkannte. Sie beschrieben ihre Daten in der selben Zeitschrift wie bei ihren Masuriumforschungen. Zudem war es Tacke, die als erste vorschlug, eine nukleare Spaltung könnte für einige Versuchsergebnisse des berühmten Physikers Enrico Fermi verantwortlich sein. Fermi hingegen glaubte, transuranische Elemente synthetisiert zu haben, Atome mit einer Ordnungszahl höher als 92, der von Uran. Später stellte sich heraus, dass Tacke richtig lag und Fermi falsch. Doch die Ironie des Schicksal wollte es, dass Fermi für die "Entdeckung" der transuranischen Elemente 1938 den Nobelpreis bekam.

Trotzdem ist die Masurium-Entdeckung noch lange nicht bewiesen. Die Noddacks und Berg gaben in ihrer Arbeit von 1925 eine mehrere Größenordnungen zu hoch liegende, unmögliche Konzentration von Element 43 an. Außerdem enthält ihre Publikation nicht genügend detaillierte Angaben über ihre Experimente, so dass Armstrong und Pieter van Assche von der Katholieke Universiteit Leuven einige instrumentelle und analytische Versuchsanordnungen nachträglich herleiten mussten. Eine ihrer wohlwollensten Annahmen war, dass die Noddacks und Berg den Elektronenstrahl magnetisch auf eine Fläche von weniger als einem Quadratmillimeter fokussieren konnten.

Auch wenn der Fall Noddack und Berg noch nicht entgültig entschieden ist, aufregender war er noch nie zuvor. "Anfänglich hielt ich es für unmöglich, dass die Noddacks und Berg Technetium entdeckt haben," sagt Albert Ghiorso vom Lawrence Berkely National Laboratory, selbst Entdecker mehrerer transuranischer Elemente. "Doch beim näheren Hinsehen halte ich das nicht mehr für ausgeschlossen."


Peter Schneider

Mit freundlicher Genehmigung von Spektrum der Wissenschaft: http://www.spektrum.de/themen/Technetium-text.html

17. - 20. 9. 1996. Symposium "discovery of elements" zum Gedenken von Walter und Ida Noddack in Leuven (Belgien)


Symposium in Leuven


Scope

The initiative of this symposium bas been taken att the K.U.Leuven (Katholieke Universiteit Leuven, Belgium). where the full scientific heritage of Walter and Ida Noddack has been retrieved recently. In 1996 we commemorate the100th anniversary of Ida Noddack-Tacke's birthday (25 February 1896) The onginal scope of a meeting dedicated to the memory of the co-discoverers of element 75 (rhenium and - probably also - element 43 (masurium/tecbnetium). has been expanded in order to cover more and general aspects. related to the discovery of elements.

Programme

The programme covered both science and history of science of: survey of ancient discoveries XIXth century discoveries recent discoveries (stable and natural radioactivity) eIements in stars artificial elements (fission-related and others) Noddnak-devoted session (Re, Ma/Tc,. fission) general subjects (eg. criteria for identifying/naming of elements)

These topics cover a Iarge field of scientific disciplines. mostly at the verge of the analysing possibilities at that time. The organisers like the programme to be focused on those aspects, related to the discovery of elements.


Scientific Programme



Pieter Van Assche
Opening of the Symposium

Wilfried Krings Prorektor, Otto-Friedrich Universität, Bamberg
Address from the Bamberg University

Albert Ghiorsso, Berkeley
(Opening Lecture, with G.T. Seaborg) A half century of synthetic elements

Pieter Van Assche, Leuven
Organising Committee s Address

K. Levi Tansjö, Lund
Carl Gustaf Mosandcr and bis discoveries of Rare Earth Metals

Hiromichi Nakahara, Tokyo
New determination of half-lives of long-lived Tc lsotopes,

Sophie Jansen, Leuven
Classification and Description of (hie Noddack archives

Hans Van Winckel, Leuven
Zinc Stars

Luc Van den Durpel, Mol
ADONIS/Accelerator Driven Operated Nuclear Irradidiation System; a new tool for the production of Technetium

Jan Roegiers, Leuven
Why scolar's papers in universitary archives? Visit of special Collections at the Universitary Library

Willem Koppenol, Zürich
History and Principles of nNaming of Elements

Albert Ghiorso, Berkeley (with G.T. Seaborg)
A Halfcentury of synthetic elements discussion

Hans Georg Tilgner, Mülheim
Walter Noddack und Ida Noddack- Tacke an der Universität Freiburg im Brsg.

Tim Otto, Berlin
The Noddacks - a Team of Scientists

Alain Jorissen, Brussels
Technetium in Stars

Pieter Van Assche, Leuven
Technetium vs. Masurium: a status report

Hanne Andersen, Berlin
Noddack Neglected - the 1934 Suggestion of Nuclear Fission

K. Levi Tansjö, Lund
On naming of Transfermium Elements

Panel Discussion
On naming of Elements

Kenij Yoshihara, Tohoku
What was discovered by Prof. Ogawa in the name of Nipponium?

Kurt Högerle, Berlin
The omnipresence of Elements

Dieter Hoffmann, Berlin
Walter Noddack and the Quantum theory


Zum Kapitel - Das Element 43 - Masurium oder Technetium? - fand sich nach Fertigstellung dieses Buches in dem Werk

"CHEMIE - Rekorde Menschen, Märkte, Moleküle"
(Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger (Hrsg.), Rüdiger Faust, Günter Knaus, Alfred Maelicke, Ulrich Siemeling/ WILEY-VCH/ Weinheim, New York, Chichester, Brisbane, Singapore, Toronto. 2. Auflage) der folgende Absatz:


"Das erste künstlich hergestellte Element ist Technetium, das Perrier und Segrè 1937 durch Bestrahlung von Molybdän mit Deuterium-Kernen erhielten. Der Name leitet sich vom griechischen Wort für "künstlich" ab. Auf der Erde kommt es nur in geringsten Spuren vor. Als instabiles Zerfallsprodukt des Urans wurde Technetium 1961 erstmals und in winzigsten Mengen (ca. ein mii. lionstel Gramm) aus einem natürlichen Material, nämlich dem Uranmineral Pechblende, isoliert.

Bereits am 11.Juni 1925 berichteten Tacke und Noddack über den röntgenspektroskopischen Nachweis dieses Elementes (zusammen mit Rhenium, siehe oben) in bestimmten Mineralien. Im Unterschied zum Rhenium konnten sie trotz größter Anstrengungen allerdings keine Substanzprobe vorlegen. Die von ihnen beanspruchte Entdeckung des Elementes, für das sie den Namen "Masurium" vorschlugen (nach Masuren, der Heimat Noddacks), wurde daraufhin stark angezweifelt und wird heutzutage in Lehrbüchern als Irrtum gehandelt.

Eine ca. 60 Jahre später erfolgte gründliche Uberprüfung der Interpretation ihrer experimentellen Befunde ergab jedoch, daß Tacke und Noddack vielleicht doch die eigentlichen Entdecker dieses Elementes sind. Die Mineralienproben, bei denen ihnen der Nachweis gelang, waren sämtlich uranhaltig - und Technetium ist, wie oben bereits bemerkt, ein natürliches Spaltprodukt des Urans."


Ein Schreiben von Frau Gisela Lux, 91 Jahre, Cousine von Ida Noddack, aus Berlin

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Sehr geehrter Herr Dr. Tilgner!
Anfang Mai war ich in Bamberg und habe beiliegende Fotos gemacht. Sie sind natürlich amateurhaft!!

Mit freundlichen Grüßen

Gisela Lux (91 Jahre )
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REMEIS - KREIS E.V. BAMBERG

teilte mit:

"Zwischenzeitlich hat das Kulturamt der Stadt Bamberg dem Anliegen verschiedener Persönlichkeiten und Antragstellern entsprochen und eine Straße nach Ida Noddak benannt.
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Die Veröffentlichung im Amtsblatt.
(Rathaus Journal Nr. 3 2000):

Bekanntmachung
Widmung von Straßen und Wegen

Die Stadt Bamberg widmet gemäß Art. 6 des Bayer. Straßen- und Wegegesetzes folgende Straßen und Wege mit Beschluß des Bausenates der Stadt Bamberg vom 01.12.1999. Zu Ortsstraßen: Die neugebaute Straßenstrecke Anna-Maria-Junius-Straße, die am Regensburger Ring zwischen Fl.Nr. 3227/41 und 3227/40 (Straßenkilometer 0 - 000) beginnt und an der Dr.-Ida Noddack-Straße zwischen Fl.Nr. 3227/ 108 und 3227/79 (Straßenkilometer 0 + 284,40) endet

. [......]

Bamberg, 19.01.2000 STADT BAMBERG

Der Remeiskreis widmet sich der Heimatpflege in Bamberg und bemüht sich auch um das Andenken verdienter Persönlichkeiten, die in Bamberg gelebt und gewirkt haben. Das Ehepaar Noddack ist unter anderen auch in dieses Bemühen eingeschlossen. Der Remeiskreis wurde 1946 gegründet und nach dem 1882 verstorbenen Bamberger Juristen und naturwissenschaftlichen Privatgelehrten Dr. Carl Remeis benannt., der seiner Heimatstadt Bamberg ein wertvolles Vermächtnis hinterließ


Ein Lageplan vom Tiefbauamt Bamberg
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